beyond tellerrand 2014 - In der Hauptstadt über den Tellerrand geschaut

Wir undpauler sind nicht nur Drupaler mit Herz und Seele, sondern bestehen eigentlich aus einem bunt zusammengewürfelten Haufen toller Menschen, die aus den unterschiedlichsten Fachbereichen auf wunderbare Weise zusammengefunden haben. Wir sind nicht nur Entwickler, sondern auch neugierige Geeks, die gerne über mehr als nur Drupal reden. Für uns ist es auch wichtig, als Team viel gemeinsam zu erleben und zu lernen. Deshalb haben wir uns sehr früh in diesem Jahr entschieden, neben den üblichen Drupal-Events, wie Drupal-Camps und der DrupalCon, auch die beyond tellerrand zu besuchen.

Perle der Spree

Die beyond tellerrand fand dieses Jahr zum ersten Mal in Berlin statt. Im wunderbaren Studio des Admiralspalast wurde an zwei Tagen ein Themenfeuerwerk mit hochkarätigen Speakern präsentiert, welches nicht oft auf Konferenzen zu finden ist. Berlin ist auch der ideale Austragungsort für diese Veranstaltung, hat die Veranstaltung doch viel mit der Hauptstadt gemein. Die Konferenz ist die wohl am meisten gehypte Veranstaltung in Deutschland mit einem sehr chaotisch-elitärem Charme und einer fast fanatischen Liebe zu Details. Strippenzieher und Moderator der Veranstaltung ist Marc Thiele, der gleich zu Beginn der Veranstaltung mitteilt, dass es kein WiFi geben wird, weil die Telekom nicht in der Lage war, in sechs Wochen entsprechend eine Leitung zu legen. Was soll’s, das „Budget fürs Internet“ wird kurzer Hand in „Budget für Bier“ umgetauft. Aus der Not eine Tugend machen, sich auf die Inhalte konzentrieren, ein angenehmes Umfeld schaffen, das alles hat Marc mit seinem Team geschafft.

Von Lasern und Schriftarten

An zwei Tagen sprachen insgesamt 13 interessante Menschen mit Rang und Namen, die in irgendeiner Art und Weise etwas mit Web oder digitaler Kunst zu tun haben. Gleich der erste Vortrag am Dienstag war eines meiner persönlichen Highlights der Konferenz. Seb Lee-Delisle ist ein „Digital Artist“, der seine Kunst mit Code erschafft. Er schafft es in einer Stunde das Publikum immer mehr zu fesseln. Sehr einfach und schlicht, auch nostalgisch, erschafft er ASCII-Kunst in einem C64-Emulator, für jeden nachvollziehbar. Schnell treibt es ihn weiter im Programm um seine Projekte zu zeigen. Seb ist wie er selbst sagt süchtig nach Lasern. Seitdem er sich aus Spaß einen 1-Watt Laser gekauft und damit herumgespielt hat, spielen Laser in seinen Projekten eine immer größere Rolle. Als Künstler versucht er seine Kunst in Räumen zu installieren, diese Räume zu vereinnahmen und seine Kunst erlebbar zu gestalten. Mit einer riesigen Leinwand und Infrarot-Sensoren lässt er sein Publikum ein interaktives Feuerwerk gestalten, erzeugt von einem Laser.

Ein anderes Projekt ermöglicht es jedem seinen Traum zu erfüllen und einmal Teil einer Band zu sein. Selbst gebaute Touch-Panel steuern an vier Säulen Licht und Ton und erschaffen ein einmaliges Farben-Klang-Erlebnis. Das Fazit seines Vortrages ist am Ende nicht etwa, dass er der tollste „Digital Artist“ seiner Zeit ist, sondern vielmehr teilt er das Credo mit den meisten seiner anderen Vortragenden an den zwei Tagen: „Get out of your comfort zone and do things you know nothing about!“ Und genau darum ging es auch bei der Veranstaltung. Ich hätte mich nie über Typografie informiert, aber die beyond tellerrand informiert mich nicht nur darüber, sondern präsentiert das Ganze durch einen der renommiertesten Experten auf diesem Gebiet, Jonathan Hoefler. Er erklärt den 500 Anwesenden genau, was die Schwierigkeiten und Herausforderungen von Schriften im Web darstellen und wie man es schafft, Techniken des Print ins Web zu adaptieren. Einen ähnlichen Weg des Vortrages ist auch Jon Hicks am Mittwoch gegangen. Er erläuterte in seinem Vortrag die Herausforderungen von Icon-Design anhand von Beispielen von „früher“, in einer Zeit, in der es nur Bitmap-Icons gab und den heutigen SVG-Icons und Webfonts, die wir mittlerweile als selbstverständlich im Web verwenden.

Brian Sudas Papier und Stefan Sagmeisters Happiness

Brian Suda schwor die Gemeinde darauf ein, dass auch Papier noch lange nicht ausgedient hat. In seinem Vortrag zeigte er, wie Webservices und Papier Hand-in-Hand gehen können, beispielsweise als intelligenter Travel-Guide im Hosentaschenformat. Schon fast wie ein Prophet wurde Stefan Sagmeister gefeiert. Er sprach über "Happiness" und seine Happyshow, und erläuterte seine Sicht auf die Dinge, die man tun sollte, um glücklich zu sein. Gepaart hat er es, mit meiner Meinung nach doch sehr konstruierten Gründen, warum manche Menschen glücklicher sind als andere. Allerdings hat er als Disclaimer vorausgeschickt, dass seine Argumentation keineswegs psychologisch-wertvoll ist, sondern er sich die Argumente so zurecht legt, dass sie in sein Konzept passen. Gekrönt wurde diese Show dann von einer Umdichtung von Beethovens "Ode an die Freude", die von den Teilnehmern der Konferenz als Chor besungen wurde. Fast alle Vorträge waren großartig, hier jetzt jeden einzelnen Vortrag hervorzuheben, würde den Rahmen eines Blog-Beitrags doch sprengen. Stattdessen empfehle ich jedem Leser, sich zu geeigneter Zeit die Videos zur Konferenz anzusehen und selbst einmal den metaphorischen „Blick über den Tellerand“ zu wagen. undpaul wird es definitiv wieder tun!